Top 10 Brauereien in Island
Island ist eine Kuriosität in der Biergeschichte: Bier war auf der Insel bis 1989 verboten — 74 Jahre nach dem Ende der allgemeinen Prohibition. Stärkere Spirituosen waren erlaubt, Bier aber nicht, weil Bier als Symbol für dänische Herrschaft und gesellschaftliche Sittenlosigkeit galt. Seit der Legalisierung hat sich eine erstaunlich vitale Brauerkultur entwickelt, die das außergewöhnliche Rohstoffangebot der Insel nutzt: Gletscherwasser aus dem Langjökull, vulkanisch gefiltertes Quellwasser, isländischer Moos, Lupinen und Birkenblätter.
1. Einstök, Akureyri
Einstök — isländisch für "einzigartig" — ist die bekannteste isländische Biermarke weltweit und wird in Akureyri im Norden der Insel gebraut. Das Einstök Arctic Pale Ale und das Einstök White Ale sind in europäischen und amerikanischen Craft-Läden erhältlich. Die Brauerei vermarktet konsequent den geografischen Kontext: Arktik-Reinheit, Gletscherwasser, Polarlicht. Das Einstök Doppelbock ist ein jahreszeitliches Release, das im isländischen Winter passt.
2. Borg Brugghús, Reykjavík
Borg Brugghús ist Islands wichtigste handwerkliche Brauerei mit einer außergewöhnlich breiten Stilpalette. Die Nr. 19 Garún Imperial Stout ist ein mehrfach prämiertes dunkles Starkbier; die Snorri-Serie umfasst Lagerbiere mit isländischen Charakteristika. Borg beliefert Vinbúðin (das isländische Alkoholmonopol) und exportiert in über 20 Länder. Der Taproom in Reykjavík ist ein Pflichtbesuch für Bierreisende auf der Insel.
3. Bríó Brugghús, Garðabær
Bríó aus Garðabær bei Reykjavík ist auf Session-Biere und zugängliche Craft-Stile spezialisiert. Das Bríó Pale Ale ist ein leichtes, frisches Bier für den isländischen Sommergenuss — wenn die Mitternachtssonne die Terrassen bevölkert. Die Brauerei hat sich als Alternative zu den größeren Playern positioniert und eine junge, städtische Stammklientel aufgebaut.
4. Gæðingur, Skagafjörður
Gæðingur kommt aus dem dünn besiedelten Skagafjörður im Norden Islands — eine der entlegensten Braulagen in Europa. Das Quellwasser der Region gehört zu den reinsten der Welt; die Biere tragen diese Reinheit im Geschmack. Das Gæðingur Pale Ale und das Gæðingur Stout sind in Reykjavíker Craft-Bars erhältlich; der Direktvertrieb ab Brauerei zieht Bierreisende in den Norden der Insel.
5. Ölvisholt Brugghús, Selfoss
Ölvisholt ist auf einem ehemaligen Bauernhof nahe Selfoss im Süden Islands angesiedelt — in Sichtweite des Hekla-Vulkans. Die Brauerei nutzt diesen Kontext bewusst: das Skjálfti — isländisch für "Erdbeben" — ist ein rauchiges Pale Ale; das Móri ist ein dunkles Amber mit erdigen Noten. Ölvisholt exportiert in Skandinavien und ist auf dem amerikanischen Craft-Markt präsent.
6. Reykjavík Brewing Company, Reykjavík
Die Reykjavík Brewing Company ist eine der stadtbekanntesten Mikrobrauereien der Hauptstadt. Das Sortiment ist pragmatisch: solide amerikanisch inspierte Pale Ales und IPAs für den Taproom-Alltag, ergänzt durch jahreszeitliche Releases. In Reykjavíks lebhafter Nachtszene ist die Brauerei ein verlässlicher Ankerpunkt.
7. Lady Brewery, Reykjavík
Lady Brewery ist eines der wenigen von Frauen geleiteten Craft-Projekte Islands. Das kleine Team setzt auf saisonale Biere mit isländischen Pflanzenzutaten: Blaubeeren aus der Bergheiden, Angelika und getrockneter Birke. Das Lady Brewery Blueberry Sour ist ein zugängliches, leicht saures Bier, das den isländischen Wald quasi ins Glas bringt.
8. Steðji, Borgarnes
Steðji aus Borgarnes an der Westküste braute einmal ein Walherbst-Bier aus Walbein-Knochen — ein PR-Stunt, der international für kontroverse Schlagzeilen sorgte. Hinter der Provokation steckt eine ernsthafte Brauerei mit breitem Sortiment. Das Steðji Doppelbock ist ein kompetentes, malzbetontes Starkbier; die regulären Jahreszeiten-Releases sind handwerklich überzeugend.
9. Smiðjan Brugghús, Reykjavík
Smiðjan — isländisch für "Schmiede" — ist ein Reykjavíker Craft-Projekt mit eigenem Brewpub-Charakter. Das Team setzt auf spontane Kreativität und wechselnde Rezepturen; ein festes Kernsortiment ergänzt die häufig rotierenden Experimente. Smiðjan ist in der lokalen Szene gut vernetzt und kooperiert regelmäßig mit nordischen Craft-Partnern.
10. Segull 67, Siglufjörður
Segull 67 aus Siglufjörður — einem kleinen Fischerdorf im äußersten Norden Islands, bekannt für seine Heringsmuseen — ist die am entlegensten gelegene Brauerei Islands. Die Brauerei entstand aus der Tourismus-Initiative des Dorfs heraus und braut mit dem Wasser der umliegenden Berghänge. Das Segull 67 Amber Ale ist das Flaggschiff; der Taproom hat im Sommer so viel Frequenz wie das Dorf an Touristen fasst.
Bier und Prohibition: die isländische Geschichte
Die isländische Prohibition wurde 1915 durch ein Volksreferendum eingeführt und galt in verschiedenen Formen bis 1989 — 74 Jahre. Stärkere Getränke wurden schrittweise wieder erlaubt, Bier jedoch nicht, weil das Parlament befürchtete, billiges Bier führe zu massenhaftem Alkoholmissbrauch. Die Legalisierung am 1. März 1989 wird auf Island als "Biertag" gefeiert. Diese kurze Geschichte der legalen Bierproduktion macht den Aufbau der heutigen Craft-Szene besonders bemerkenswert.
Auf der Karte erkunden
Isländische Brauereien konzentrieren sich in der Hauptstadtregion Reykjavík, sind aber auch im ganzen Land verstreut. Die interaktive Karte zeigt alle eingetragenen Standorte. Karte öffnen