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Top 10 Brauereien in Brasilien

Brasilien ist nach China, den USA und Deutschland der viertgrößte Biermarkt der Welt. AB InBev dominiert mit einem Marktanteil von über 60 % durch Marken wie Skol, Brahma und Antarctica. Dahinter ist seit den frühen 2000er Jahren eine lebhafte Craft-Szene entstanden — geprägt von der starken deutschen und österreichischen Einwanderertradition in den Südstaaten, wo Bierkultur historisch tiefer verwurzelt ist als im tropischen Norden. Das Land zählt heute über 1.200 registrierte Brauereien, die meisten davon in den Bundesstaaten Paraná, Santa Catarina, Rio Grande do Sul und São Paulo.

1. Bodebrown, Curitiba

Bodebrown aus Curitiba gilt als intellektuelles Zentrum der brasilianischen Craft-Szene. Gegründet 2007 von Samuel Cavalcanti — einem der profiliertesten Craft-Brauer Lateinamerikas — hat die Brauerei früh belgische und amerikanische Stile für den brasilianischen Markt adaptiert und dabei konsequent lokale Zutaten eingesetzt: Guaraná, Rapadura (roher Rohrzucker), Umbu-Früchte und Acerola. Das Bodebrown Perigosa Barleywine und das Perigosa Imperial IPA sind nationale Klassiker; die Barrel-Aged-Serie, bei der Biere in Cachaça- und Bourbon-Fässern gelagert werden, zeigt handwerkliche Reife auf internationalem Niveau. Curitiba selbst ist die Hauptstadt von Paraná — gut aus São Paulo (ca. 400 km) oder Rio de Janeiro (ca. 850 km) erreichbar — und hat sich zur Craft-Bier-Hauptstadt Brasiliens entwickelt mit dutzenden Taprooms und Bierläden konzentriert im Batel- und Bairro Alto-Viertel.

2. Wäls, Belo Horizonte

Wäls aus Belo Horizonte im Bundesstaat Minas Gerais wurde im Jahr 2000 gegründet und trägt den Namen einer deutschstämmigen Mineiro-Familie. Die Brauerei ist bekannt für belgisch inspirierte Biere, die von einer europäischen Brautradition sprechen, die sich tief in der Mineiro-Kultur verwurzelt hat. Das Wäls Quadruppel (10 % ABV, dunkel und würzig) und das Wäls Petroleum Russian Imperial Stout (10,5 % ABV, reich an Kakao- und Kaffeenoten) sind nationale Ikonen. Seit der Übernahme durch AB InBev im Jahr 2014 ist die Rezeptur weitgehend unverändert; Qualität und Auszeichnungen auf internationalen Wettbewerben blieben bestehen. Belo Horizonte ist direkter Flugziel aus São Paulo (ca. 1 Stunde) und Rio de Janeiro (ca. 1 Stunde) — ein idealer Ausgangspunkt auch für Minas-Gerais-Reisen in Richtung der Barockstädte Ouro Preto und Tiradentes.

3. Way Beer, Pinhais

Way Beer aus Pinhais — einer Satellitenstadt Curitibas im Bundesstaat Paraná — wurde 2010 gegründet und ist produktionsmäßig eine der bedeutendsten unabhängigen Craft-Brauereien Brasiliens. Das Team setzt auf einen schnellen Innovationszyklus: viele Stile, häufige neue Releases, breite Marktabdeckung über nationale Supermärkte und Spezialgeschäfte. Das Way Beer Apá (American Pale Ale, 5,4 % ABV) ist ein zugängliches Einsteigerbier; die Way Beer Imperial Red Ale (8,5 % ABV) und die Barrel-Aged-Releases sind für erfahrenere Gaumen. Paraná hat die höchste Dichte an Craft-Brauereien in ganz Brasilien — ein zweitägiger Bierpfad zwischen Curitiba und Pinhais lohnt sich für jeden Besucher der Region.

4. Colorado Brewing, Ribeirão Preto

Colorado aus Ribeirão Preto im Bundesstaat São Paulo wurde 1995 gegründet und gilt als Pionierin des brasilianischen Craft-Bieres. Die Brauerei ist bekannt für den konsequenten Einsatz lokaler Zutaten: Das Colorado Appia ist ein Honey Lager mit brasilianischem Rapadura-Zucker (5,0 % ABV); das Colorado Demoiselle setzt Palmherzen ein; das Cauim — eines der mutigsten Biere der brasilianischen Craft-Geschichte — wird mit Maniok nach traditionell indigener Fermentationsmethode gebraut. Diese drei Biere zeigen, was brasilianisches Craft leisten kann, wenn es authentisch lokal denkt. 2015 wurde Colorado von AB InBev übernommen, behielt aber Rezepturen und Produktionsstandort. Ribeirão Preto liegt etwa 300 km nordwestlich von São Paulo und ist per Bus oder in rund drei Stunden mit dem Auto erreichbar.

5. Bamberg, Votorantim

Bamberg aus Votorantim — einer Industriestadt im Bundesstaat São Paulo, rund 100 km von der Landeshauptstadt entfernt — wurde 2004 gegründet und nach der fränkischen Bierhauptstadt benannt. Die Brauerei setzt konsequent auf deutsche Stile: Märzen, Hefeweizen, Dunkel, Helles — und das Paradestück, das Bamberg Rauchbier. Geräuchertes Malz verleiht dem Bier seinen erdigen, leicht fleischigen Charakter — in Brasilien ein radikales Bier für ein Land, das helles Adjunktlager gewohnt ist. Auf internationalen Bierwettbewerben — darunter dem World Beer Cup und dem European Beer Star — hat Bamberg multiple Auszeichnungen gewonnen. Für deutsche Reisende und Bierliebhaber, die Brasiliens südöstliche Metropolregion São Paulo besuchen, ist ein Ausflug nach Votorantim ein ehrlicher Umweg lohnenswert.

6. Tupiniquim, Porto Alegre

Tupiniquim aus Porto Alegre, der Hauptstadt von Rio Grande do Sul, wurde 2012 gegründet und hat eine eigenständige brasilianische Bieridentität entwickelt, die explizit auf indigenen Zutaten basiert. Das Team braute früh mit lokalen Früchten — Pitanga (brasilianische Kirsche), Jabuticaba (Baumtomate), Acerola und Erva-Mate — und bringt diese Zutaten in Pale Ales, Wheat Beers und experimentelle Releases ein. Das Tupiniquim Manga com Pitanga ist ein Sommerbier, das den tropischen Nordosten Brasiliens in die gemäßigtere Südmetropole bringt. Porto Alegre ist Hauptstadt eines Bundesstaates mit ausgeprägter deutschen und italienischen Einwanderungsgeschichte — die Brauereilandschaft der Stadt spiegelt diese kulturelle Hybridität wider. Direkte Flüge verbinden Porto Alegre mit São Paulo (ca. 2 Stunden) und Buenos Aires (ca. 3 Stunden).

7. Stadt Bier, Santa Catarina

Stadt Bier aus der deutschstämmigen Region Santa Catarinas verkörpert das deutsche Biererbe der Region. In den kleinstädtischen Gemeinden der Serra Gaúcha und der Blumenauer Region sind Weizenbiere und dunkle Lagerbiere keine Exoten, sondern tief verankerte Trinkgewohnheiten, die über Generationen von deutschen Einwanderern weitergegeben wurden. Stadt Bier produziert nach Reinheitsgebot-inspirierter Rezeptur und richtet sich an ein Publikum, das den europäischen Stil authentisch nachgelebt sehen will. Das Oktoberfest in Blumenau — jedes Jahr im Oktober abgehalten — ist nach München das zweitgrößte Bierfestival der Welt nach Besucherzahl und der Höhepunkt der brasilianisch-deutschen Bierkultur. Blumenau ist ab Florianópolis (ca. 140 km) gut erreichbar.

8. Dádiva Brewing, São Paulo

Dádiva Brewing aus São Paulo ist eine der aufregendsten jüngeren Craft-Brauereien Brasiliens. Das Team im Stadtteil Vila Madalena setzt auf ein breites Stilspektrum mit Schwerpunkt auf sessiontauglichen Ales und NE-IPAs (New England IPA) — hazy, fruchtig und aromareich. Die Dádiva Juicy IPA und die saisonalen Releases mit brasilianischen Früchten haben Dádiva zu einem der meistzitierten jungen Labels in der brasilianischen Craft-Gemeinschaft gemacht. Vila Madalena ist das Kreativviertel São Paulos mit dichter Restaurantszene, Galerien und Taprooms — ein natürlicher Anziehungspunkt für Craft-Bier-Touristen in Brasilien größter Metropole.

9. Avós, Minas Gerais

Avós (portugiesisch für „Großeltern") ist ein Craft-Projekt aus Minas Gerais, das Generationenwissen und handwerkliche Präzision verbindet. Die Brauerei setzt auf einfache, gut ausgeführte Stile — Pale Ales, Session IPAs, Saisons — und vermeidet das Überexperiment, das manchen brasilianischen Craft-Labels anhaftet. Das Ergebnis sind zugängliche, ehrliche Biere, die die Grandeur der Mineiro-Küche (Feijão Tropeiro, Frango ao Molho Pardo) ideal begleiten. Minas Gerais bleibt ein Bundesstaat, der kulinarisch und kulturell unterschätzt wird — Belo Horizonte, die Barockstädte und eine wachsende Craft-Szene machen ihn zu einem lohnenden Reiseziel.

10. Hocus Pocus, Nova Friburgo / Rio de Janeiro

Hocus Pocus wurde 2010 in Nova Friburgo — einer Bergstadt mit schweizerisch-deutschem Erbe im Bundesstaat Rio de Janeiro — gegründet und ist heute das kreativste Craft-Label der Carioca-Metropolregion. Das Team setzt auf visuelles Marketing und mutige Adjunkt-Biere: Bier mit tropischen Rio-Früchten, Bergzutaten aus der Serra dos Órgãos, und gelegentlich dem berüchtigten Doppelbock mit Schokolade und Dedo-de-Moça-Chili. In der Craft-Bar-Szene am Botafogo, in Santa Teresa und in Lapa ist Hocus Pocus omnipräsent. Nova Friburgo liegt rund 150 km nördlich von Rio de Janeiro — eine Tagesfahrt durch das spektakuläre Gebirgsland der Serra Fluminense.

Die deutschstämmige Brautradition im Süden

Die Bundesstaaten Santa Catarina, Rio Grande do Sul und Paraná haben dichten deutschen Einwanderereinfluss. In Blumenau, Pomerode, Novo Hamburgo und Brusque finden sich historische Brauereifamilien, deren Vorfahren aus Bayern, Württemberg und dem Rheinland kamen — die meisten im 19. Jahrhundert. Das Oktoberfest in Blumenau, gegründet 1984 nach dem Vorbild des Münchner Originals, zieht jedes Jahr rund 700.000 Besucher und ist ein Beleg, wie tief die brasilianisch-deutsche Brautradition sitzt. Bier in der Serra Gaúcha — der Weinregion des brasilianischen Südens rund um Bento Gonçalves und Garibaldi — ist kein Widerspruch: hier gibt es sowohl exzellenten Wein als auch handwerklich gebrautes Bier aus lokaler Tradition.

Auf der Karte erkunden

Brasilianische Brauereien verteilen sich hauptsächlich auf den Süden und Südosten des Landes. Die interaktive Karte zeigt alle eingetragenen Betriebe. Karte öffnen